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Eine Frage der Sicherheit
TUNNELS ALS GEFAHRENHERDE?
Die Tunnelbrände in Frankreich und Österreich haben insbesondere die Diskussion um
zweiröhrige Strassentunnels neu entfacht. In der Schweiz steht der Gotthardstrassentunnel
im Mittelpunkt.
Max Nötzli / Martin M. Maeder
Nach dem Brand im Tauerntunnel
sitzt der Schock tief. Kann sich ein solches Unglück auch in der Schweiz ereignen? Die
«Automobil Revue» sprach mit Willy Burgunder, Vizedirektor des Bundesamtes für Strassen
(Astra).
AR: Ist eine solche Katastrophe auch bei uns
möglich?
Willy Burgunder: Beim Unfall im Tauerntunnel handelt
es sich offenbar um eine Auffahrkollision. Eine solche Art von Unfall kann natürlich in
der Schweiz auch passieren, immer und überall. Es stellt sich einfach die Frage nach den
Folgen.
Im Gotthardtunnel hat es schon mehrere Unfälle mit
Bränden als Folge gegeben, die aber immer relativ rasch unter Kontrolle gebracht werden
konnten.
Richtig. Zentraler Punkt ist, man hat nur eine Chance, wenn
man rasch Zugriff zum Unfallort hat. Um dies im Gotthardtunnel zu erreichen, hat es bei
den Portalen spezielle Pikettdienste, die rund um die Uhr einsatzbereit sind. Wenn aber
nun ein Fahrzeug mitten im Tunnel explodiert, dann sind auch für diese Einheiten die
Möglichkeiten eingeschränkt.
Der Unfall in Österreich steht in Zusammenhang mit einer
Baustelle in der Röhre. Nun stehen die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten im
San-Bernardino-Tunnel bevor. Ist das nicht ebenfalls gefährlich?
Das sehe ich nicht so. Zwar bin ich mit den Details nicht
vertraut, doch nimmt man an, dass dort eine Sanierung mit Verkehr im Tunnel nicht möglich
sein wird. Der Tunnel wird für die Arbeiten zeitweise geschlossen werden müssen, da
insbesondere Reparaturen an den Fahrbahnplatten dies notwendig machen.
Autofahrer benutzen lieber einen hellen und wenn möglich
zweiröhrigen Tunnel als eine dunkle und enge Röhre. Nun hat man aber mit dem
Vue-des-Alpes-Tunnel ein neueres Bauwerk wegen technischer Probleme gesperrt. Werden die
Automobilisten nun noch zusätzlich verunsichert?
Über die genauen Umstände in Neuenburg bin ich noch nicht
informiert, man muss die ganze Sache nun genau abklären. Aber bereits jetzt lässt sich
als positiv einstufen, dass man dort diesen Sicherheitstest vorgenommen und darauf
reagiert hat.
Ist es möglich, dass auch bei anderen Tunnels das gleiche
Belüftungssystem wie das beanstandete vorhanden ist?
Ich glaube, solche Aussagen lassen sich aktuell nicht machen.
Es ist immer noch möglich, dass es sich entweder um einen Konstruktionsfehler für diesen
spezifischen Tunnel, um einen lokalen technischen Defekt oder um ein generelles Problem
handelt. Eine Panikschlussfolgerung wäre nun sicherlich fehl am Platz.
Wann hat denn die kürzlich für die Tunnelsicherheit
eingesetzte Task Force Bericht zu erstatten?
Grundsätzlich kann man sagen, dass die Arbeit der Task Force
wahrscheinlich in einen Dauerauftrag mündet. Es ist uns aber klar, dass es sich um ein
vordringliches Problem handelt.
Gibt es nach den Unglücken im Montblanc- und im
Tauerntunnel nun nicht ein Art Gesetz der Serie, das die Leute ängstigt?
Es ist natürlich nicht auszuschliessen, dass sich solche
Katastrophen wiederholen. Man kann aber die Frage stellen, ob sich der Brand im
Montblanctunnel nicht positiv auf das Ereignis im Tauerntunnel ausgewirkt hat, indem sich
die Automobilisten schneller in Sicherheit brachten.
Die Schweiz ist punkto Gefahrenguttransporte in Tunnels
fast vorbildlich. Dennoch kommt es zu Verstössen. Drängt sich hier als Sofortmassnahme
nicht die Verschärfung der Sanktionen auf?
Grundsätzlich ist dies ein Problem der Kantone. Zudem sind
hier die Möglichkeiten des Bundes stark eingeschränkt, nachdem das Parlament bei den
Beratungen der Sanierungsmassnahmen 1993 im Zusammenhang mit dem Treibstoffzollgesetz die
Beteiligung des Bundes an den Kosten für die polizeiliche Verkehrsüberwachung gestrichen
hat.
Nach dem Unglück im Tauerntunnel kommt natürlich die Diskussion über zweiröhrige
Tunnels in Gang. Zum Beispiel zeigte die Sanierung des Belchentunnels, welche Vorteile es
bringt, wenn man eine Röhre absperren kann.
In der Schweiz gibt es keine solchen Tunnelbaustellen. Bau- und Sanierungsarbeiten werden
in Unterhaltsfenstern, sprich: in der Nacht, ausgeführt. Der Tunnel ist zu, der Verkehr
wird umgeleitet. Aber es ist unbestritten, dass ein zweiröhriger Tunnel eindeutig
sicherer ist, auch wenn andere Kreise das Gegenteil behaupten.
Aufgrund der aktuellen Ereignisse hat nun speziell das Thema zweite Gotthardröhre eine
neue Dimension erhalten. Diese Dimension wurde möglicherweise sogar verschärft. So wurde
in der letzten Frühjahrs-session im Parlament eine Interpellation des Tessiner
Ständerates Dick Marty behandelt. In seiner Antwort darauf hielt Bundesrat Moritz
Leuenberger fest, dass ein zweiter Tunnel am Gotthard, aus Sicherheitsgründen gewünscht,
keine verwerfliche Idee sei.
Und wenn sich nun Umweltschützer mit den Argumenten
Alpeninitiative und Alpenkonvention gegen ein solches Vorhaben stellen?
Im geltenden Strassentransitverkehrsgesetz ist die Umsetzung
der Alpeninitiative berücksichtigt. In diesem Gesetz ist ausdrücklich enthalten, dass
aus Sicherheitsgründen Ausbauten vorgenommen werden können. Es besteht somit in diesem
Zusammenhang kein Hinderungsgrund.
Es ist aber anzunehmen, dass bei den Grünen der Sicherheitsgedanke nicht verfangen wird
und sie sich weiterhin gegen einen Ausbau am Gotthard stellen.
Die Diskussion wird in den gegebenen Bahnen weiterverlaufen. Man kann sich hierbei fragen,
ob sich eine solche Katastrophe wie im Montblanc- oder im Tauerntunnel nicht auch in einem
Tunnel der Bahn ereignen kann. Generell steht nun die Frage der Sicherheit im Raum. Was
die Politik damit macht, wird man sehen.
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